Spuren von Lachen

In meinem Landkartengesicht
die Flüsse im Augenland
bilden Nebenarme
Neuwasser
kaum spürbar
sichtbar nur
im großen Spiegel
winke ich ihnen entgegen
lache

© Sargantanasal

In meinem Gedicht Nr. 29 ersetze ich im Wort „entgegenwirken“ das R durch ein N. Für mich die schönste Art der Gesichtspflege. 🙂 Der impuls des #frapalymo lautete: „sichtbare spuren“.

Kurze Mär vom ängstlichen Ich

 

Es war einmal ein Über-Ich
gebärdete sich fürchterlich
Das Ich, zutiefst davon verschreckt,
lief weg. Unter dem Es versteckt
ist es vor Schwäche eingepennt
und träumt bis heut’ vom Happyend

🙂

© Sargantanasal

Mein Reim vom 27.11.2017 zum #frapalymo impuls : „alle texte starten mit ‚es war einmal…“

Ein, zwei, drei, vier Eckstein

Vera duckt sich mit
Evelyn hinter den Gingkostrauch
Rudi macht sich im Strandkorb klein
Susanne hockt sich hinter den Magnolienbaum
Tommi liegt im Heidekraut
Elsie kriecht im Musikpavillon unter die Flügel-Decke
Christoph drückt sich an die Mammutfichte
kommt der Wolf und findet sie alle, bis auf Elsie
spannende
paradiesische
Inselabenteuer
ewig her
lebenslang im Herzen

© Sargantanasal

* der famosen Ferienkinderclique von Wyk auf Föhr widme ich dieses Achkrostichon, meine Nr. 26 für den #frapalymo zum impuls: „Verstecke“. Ein toller Impuls, der viele Ideen freigesetzt hat, mich aber an erster Stelle direkt in die Kindheit führte. Wieder einmal, das hat dieser November-Frapalymo wohl so an sich. 🙂

Was fehlt

Im matten Licht des halben Mondes
unter den Schritten das Laub
dumpf und klebrig
mir fehlt
das klirrende Glitzern 
des Schnees

Im ersten Licht des Tages
an den Fenstern
die Regentropfen
grob klopfend
mir fehlt
das stille Glitzern
der Eisblumen

Im grellen Licht der Kaufhäuser
auf den Weihnachtskalendern
Sterne auf Einhörnern
kühl glänzend
mir fehlt
das warme Glitzern
von Sternenstaub

Bleibt
mit geschlossenen Augen
mir ein Glitzern zu reiben von tausenden Sternen
wie in den eisigen Novembernächten
als ich ein Kind war

© Sargantanasal

Gedicht Nr. 25 den #frapalymo, und der impuls lautete: „doppelimpuls, teil 2: glitzer“.

Altrosa

 

Über die Jahre verblichen
wie sie selbst
doch er fand sie
in ihrem Korsett
– dieses Altrosa
mit leichtem Stich ins Beige
wie die Hausmacher Leberwurst
vom Dorfschlachter –
immer noch
appetitanregend

© Sargantanasal

Gedicht Nr. 24 zum #frapalymo Doppelimpuls Teil 1 „ROSA“

Heute, im Schlafladen

Eine Nacht bitte
von den traumlosen
dunkelblauen
den feinen
ohne 
Gedankensplitter
am Stück
nicht geschnitten
Danke

© Sargantanasal

 

Meine Nummer 23 zum #frapalymo im November 2017. Impuls: „zwei nachtstücke zusammenfügen – gedichte zu diesen worten nach einem tweet von @_unruhe

 

 

Singen hinter den sieben Bergen

In den überheizten Räumen hinter den sieben Bergen
stimmen sie jetzt Weihnachtslieder an
nur einer singt „In Hamburg sagt man tschüss“
über den Rand hinaus

Stimmen sie jetzt Weihnachtslieder an
Die Erinnerungen wabern
über den Rand hinaus
Still und starr ruht der See

Die Erinnerungen wabern
wenige halten noch die Stimme
still und starr ruht der See
träumt von knirschenden Gleitschuhen

Wenige halten noch die Stimme
nur einer singt „In Hamburg sagt man tschüss“
träumt von knirschenden Gleitschuhen
in den überheizten Räumen hinter den sieben Bergen

© Sargantanasal

Mein Pantun zum #frapalymo Impuls Nr. 20 „schreibt ein Pantun“. Das Thema war frei zu wählen. Mir kamen dabei Szenen aus einem Seniorenheim in den Sinn.

Moment, ewig

 

Deine eingebettete Stummheit
täuscht
Unter dem Laken ruht
ein ganzes Leben
Ich lege mein Ohr an deine Brust
lausche in dich hinein
lerne deine Melodie
ich singe dich ganz sacht
an deine Anfänge
bis deine Augen einstimmen

© Sargantanasal

Mein Gedicht Nr. 20 zum #frapalymo beschreibt einen mir kostbaren Moment bei der Arbeit mit demenzkranken Menschen, die nicht mehr sprechen können. Der impuls lautete: „wenn der körper eine stummheit ist“ – mit dank an @frauhasenherz für dieses kleinod!“ Wirklich wunderbar, dieses Kleinod, da stimme ich zu.

wonnemorgen

lüfte locken
wasser lacht
nasenflügel beben
knallvergnügt
im leben baden
tiefer knicks

die morgenwonne von joachim ringelnatz durch den Automaten gejagt

das ist mein Gedicht für den 19. November zum  #frapalymo Impuls am 19. november: „schreibt mithilfe des automatengedichtautomaten ein automatengedicht“