Jetztbaum

Von den Kirschbäumen der Kindheit
zu schweigen
Linde
mein Jetztbaum
wie sie mir ins Zimmer wächst
mich umgarnt im Frühling
umhegt im Sommer
umweht im Herbst
gerade jetzt
mit Schnee
Zauberin
Schönste der Straße
standhaft

© Sargantanasal

Mein „leider zu wenig Zeit. Das will ich noch mal anders angehen“-Gedicht no. 8 für den #frapalymo, und der impuls lautete „ich habe geträumt, ein baum wuchs ins zimmer. jetzt vermisse ich ihn.“ Nach einem Tweet von ina steg aka @tschabuhjahhh

„Der eine Sommer“

„Michael,
du bist die Eisenbahn, die ich höre,
bist das Moos unter meinen Füßen,
bist, was ich will,
was ich habe,
was ich verliere,
was ich behalte,
bist die Summe von allem.
Ich kann rechnen, wie ich will,
wenn ich einen Strich darunter ziehe,
kommt ‚Michael‘ raus – ich bin betrunken“,

sagt die Protagonistin Kai auf den Seiten 95 und 96
im Jugendbuch „Der eine Sommer“ von Gina Ruck-Pauquèt
© 1972 by Verlag Carl Ueberreuter, Wien

Die schönste Liebeserklärung der Welt! So empfand ich das als Teenie. Ich habe dieses Buch im wahrsten Sinne verschlungen, in einer Sommernacht im Bett am Fenster im Dorf.
„Der eine Sommer“, so fühlte sich das an, den hatte Gina Ruck-Pauquèt nur für mich geschrieben. Besonders das Ende:

… „Der Sommer ging zu Ende.
Der Herbst fängt an, dachte Kai. Jeder Augenblick muss vergehen, damit der nächste sein kann.
Es war ein simpler Gedanke, aber sie hatte ihn nie so voll mit ihrem Gefühl begriffen wie jetzt.
„Ich fange an, sagte sie leise.
Sie war traurig und glücklich zugleich.
Sie blickte die Leute an und empfand Zärtlichkeit für sie. Es war nicht diese pauschale, heftige Zuneigung, die sie noch vor einiger Zeit gespürt hatte. Sie begegnete jedem einzelnen von ihnen, wie er an ihr vorüberging. Gleichgültig, müde, eilig, alt, geschäftig, lachend, lässig, herausfordernd, selbstbewusst, protzig, arm oder jung.
Und plötzlich begriff sie, dass sie Rolf lieben konnte wie auch Michael. Es war so, weil sie überhaupt anfing zu lieben.
Sie blieb stehen.
Kai stand mittem im Menschengewühl des abendlichen Boulevards und lächelte.
So ist es jetzt, dachte Kai. Und sie wusste, dass es immer wieder so sein würde. So und anders.“….

Nach vielen Jahren habe ich das nahezu zerfledderte Buch neulich wiedergefunden und in einer kalten Januarnacht im Bett am Fenster in der Stadt erneut verschlungen. Und verstanden, warum ich es so liebte und was es mit mir gemacht hat. Das ist die kleine Geschichte zur Entstehung von „Sommernächte, damals“.