Nu is dat Mai

Nu is dat Mai,
de Blomen blöht,
dat Fröhjohr treckt uns in’t Gemööt
de Sünnschien lacht so dörch de Schieven
as wull he allen Grull verdrieven

Nu is dat Mai, de Vagels singt.
Nu luustert, wo vergnöögt dat klingt,
wenn buten all de lütten Kehlen
luuthals in’n Goorn rümkrakelen!

Nu is dat Mai, de Wald ward gröön,
de Welt is wedder bunt un schöön.
De Kinnder freit sick alltohopen
un höört in’t Holt den Kuckuck ropen.

Nu is dat Mai. Wat ward dat warm!
De Junkeerls nehmt ehr Deerns in’n Arm,
hebbt wieder nix in’n Kopp as Smusen
un all de annern flotten Flusen.

Nu is dat Mai, de Vullmaand schient,
in’n Duustern smuustert he un grient
un höggt sick bet to’n annern Morgen,
den Maand in’n Mai blifft nix verborgen.

O Mai, o Mai, du schöne Tiet,
nu wies di vun dien’ beste Siet,
streng di man an, denn stellst du jeden
op wunnerschöne Wies tofreden.

@ Klaus Ehlers 25.4.1990

Dieses plattdeutsche Gedicht von meinem Vater (1923–2013), dessen dichterischen Nachlass ich verwalten möchte, habe ich soeben in einem Stapel von plattdeutschen (Holsteiner Platt) Gedichten gefunden. Am 30. Mai ist das doch nicht zu spät, oder? Und der Mai hat sich ja wirklich ganz schön angestrengt und sich von der besten Seite gezeigt, sieht man mal von den bösen Unwettern auf der Zielgeraden ab.

Übrigens: Wer von meinen Lesern eine Idee hat, wo ich derlei heitere Gedichte – plattdeutsche wie hochdeutsche – veröffentlichen kann, möge mir einen Tipp geben. Ich setze sie sehr erfolgreich in der Seniorenarbeit ein, sie bringen die Menschen nicht nur zum Schmunzeln, sondern eignen sich auch hervorragend zum Mitreimen.

Äste, tanzend

„Ein Wald im Mai,
hier spukt mein ganzes Leben“ *
die Äste der Bäume
gute Geister
wispern, tanzen
Schlängelreigen

Zartrosa der Duft der Heckenrosen
in Spiralen hinaufgewirbelt
zu meinem knirschenden Platz
auf dem Hochsitz

* Tomas Tranströmer

© sargantanasal

Spannender #frapalymo Impuls am 19. Mai:  alle die gleiche anfangszeile: „ein wald im mai. hier spukt mein ganzes leben. (Tomas Tranströmer und sein Gedicht „Alkäisch“)