16.22

November 1973

Einer von diesen
dumpfen Sonntagnachmittagen
im November
schon dunkel
das Dorf im Nebel
das gute Kaffeegeschirr gespült
sich verziehen
aus dem Fenster starren
da fährt kein Moped
auf der Hauptstraße
da kommt keiner vorbei
und holt dich da raus
das musst du dir ausdenken
in Schulhefte schreiben
Dass du Mathe machst
ist nicht mal gelogen
du schaust auf die Uhr
und rechnest dir aus
wieviel Zeit bleibt
bis „Salto Mortale“ beginnt
noch 43 Minuten

© sargantanasal 12.11.2017

12.11.17 Text zum  impuls für das #frapalymo gedicht am 12. novembert: „doppelimpuls teil 2: 16.22 uhr“. mal schauen, wie sich der nachmittag in euren texten spiegelt und ob oder ob nicht die andere uhrzeit anderes licht in gedichte bringt.

Pssst!

Wir kichern in die Kissen,
um noch ein Weilchen 
im Nest zu bleiben.
Durch die Ritzen 
der Jalousie
kitzeln sich
 die ersten Sonnenstrahlen in unsere Nasen
Jetzt nur nicht niesen,
 damit keiner merkt,
wie wach wir schon sind, wie viele Geschichten
wir uns schon zugeflüstert haben.

Mit dem Finger auf den Lippen
lauschen wir den Schritten der Mutter,
wie leise sie tappt,
das Wasser aufdreht,
die Schubladen öffnet,
den Frühstückstisch deckt,
den Vater weckt.

Bis der Kessel pfeift,
die Pumpe im Keller anschlägt,
das Radio klimpert,
der Wellensittich rumort.

Wir seufzen noch einmal,
dann öffnet sich schon die Tür,
und die Jalousie legt ratternd
den Sonntag frei

2014 © sargantanasal.com

Das war mein #frapalymo 11 aus dem Mai 2014 und der Impuls lautete: „Ganz still sein, um die Geräusche des Hauses nicht zu stören“. Es kam mir heute wieder in den Sinn – wegen der Kindheitserinnerungen, die hier heute herumgeisterten.