Beobachtet, gehört, unterstellt

Feierabend-Menschen
im Dunkel
stolpern
über Kerzen
Hat da einer Geburtstag?
Oder warum leuchten Kerzen?
Unfall vielleicht?
Sind ja Grablichter
Mitten auf dem Gehweg!
Was soll das denn?
Was macht die Frau da in der Hocke?
Wieso liegen da weiße Blumen?
Irgendein Spinner
ach, die liegen ja an den…
wie heißen die noch mal?
Stolpersteine
War da was?
Könnte man ja googeln
später
erstmal einkaufen
Reicht die Milch noch?
Sieht irgendwie auch schön aus!
War da was?
Handy klingelt
Bin jetzt Bismarckstraße!
Bis gleich!

Da war doch was!

@ sargantanasal

 

 

 

 

Bei dem Versuch…

…  nach langer Zeit ein Gedicht zu schreiben,
googelte ich etwas über das menschliche Gehör, das ich nicht verstand
entdeckte ein Gemeinschaftsprojekt
einen seit Monaten nicht mehr genutzten Email-Account
eine Konzertankündigung meines Lieblingsmusikers (ausverkauft)
verwarf einen unseriösen Ticketkauf
notierte eine Idee für eine Gedächtnisübung
korrigierte einen alten Text
merkte mir eine Nummer  (vergeblich)
trank ein Glas abgestandenen Rosé-Perlwein
löschte acht Emails
überprüfte zwei Rechnungen
fand Musik
massierte mir den Nacken
und löschte den Entwurf
des Gedichtes
(über befremdliche Stille, hervorgerufen durch Gleisbauarbeiten an der U-Bahnstrecke vor meiner Tür – und das beruhigende Geräusch
der U-Bahn, die seit gestern Nacht wieder fährt)

Ihr merkt schon, das wäre nix geworden.

Schönes Wochenende für alle! 🙂

 

 

 

Dieses Machen

Wir schrieben Schlager
Immer wieder
nachts
dachten wir
der Durchbruch
eines Tages
kommt
der Durchbruch
und tranken
und schrieben
Schlager

Wir hassten Schlager
immer wieder
tagsüber
dachten wir
niemals
nicht mal donnerstags
käme der Durchbruch
und hielten inne
und schrieben Popsongs

Wir hassten Popsongs
immer wieder
mittags
dachten wir
niemals
käme der Durchbruch
und hörten auf
und fingen an

nachts

schrieben wir Gedichte

Wir…

 

©Sargantanasal

 

 

 

 

 

Die Welt braucht mehr Liebe – Blogger spielen Liebeslieder

Der Aufruf von Arabella kommt wie gerufen!

https://teil2einfachesleben.wordpress.com/2017/04/22/aufruf-die-welt-braucht-mehr-liebe-blogger-spielen-liebeslieder/

Ich steuere den Rain Song von Led Zeppelin bei. Es ist Liebe – seit 44 Jahren!

Noch eine gute Woche…

… dann startet wieder

Frau Paulchens Lyrikmonat, kurz #frapalymo

Ich freue mich schon, auch wenn mich meine Tätigkeiten gerade sehr herausfordern, besonders zeitlich. Vielleicht hat ja die/der eine oder andere von euch Lust, sich mal lyrisch auszuprobieren. Die Impulse von Frau Paulchen sind immer klasse!

Hier ist der Link:

http://paulchenbloggt.de/2016/10/17/frapalymo-nach-der-zehn-die-elf/

 

 

Bohnenzeit

20160822_145224In meiner Erinnerung leuchtete heute ein August-Moment aus der Kindheit.

Wenn der Sommer heiß war, und in meiner Erinnerung war jeder Kindheitssommer heiß, pfiff Opa schon Ende August zur Bohnenernte. Eine ernste Sache, denn Bohnen kann man beim Pflücken nicht naschen wie Erdbeeren. Bohnen sind Hülsenfrüchte, höre ich meine Großmutter sagen. Die darf man auf keinen Fall roh essen!
Ich sehe mich mit meinem Opa im kleinen Hof auf der Gartenbank hocken, einträchtig pinnen wir die grünen Bohnen, die wir zuvor gemeinsam geerntet haben. Bohne für Bohne bedächtig von Strünken befreien, nur nicht zu viel abschneiden, die weiße Emaille-Schüssel mit dem abgewetzten Rand zwischen den Knien, wir arbeiten schweigend und oben in der Küche setzen die Frauen mit Geschepper den riesigen hellroten Kessel auf den Herd. Ich höre ihre Geplapper, das Klirren der Weckgläser, die sie spülen, ich nehme den Geruch der roten Weckringe wahr (wahrscheinlich fehlen wieder genau die, die wir Kinder uns für unsere Rollschuhe stibitzt haben).
Opa und ich arbeiten gemächlich und still am eisernen Gartentisch, den er selbst geschmiedet hat. Er benutzt das scharfe Schälmesser, ich das stumpfe mit dem Perlmuttgriff. Manchmal schauen wir uns an, seine blanken braunen Augen blitzen, ich sehe seinen Stolz und seine Vorfreude auf seinen geliebten Bohnensalat im Winter, zu Gulasch oder Sauerbraten. Ich freue mich auf den Eintopf, mit Kartoffeln, und Möhren, die den Winter über in einem Tontopf, den Opa vor der Garage eingegegraben hat, frisch bleiben. Irgendwann bringt Oma dann einen Kaffee für Opa hinaus und für mich ein Butterbrot mit Rübenkraut.
Dann arbeiten wir weiter, bis meine kleinen Finger ganz müde sind.
Und abends dann ist das ganze Haus vom Duft der eingeweckten Bohnen erfüllt.
Ein Duft, den ich nicht zu beschreiben vermag. Irgendwie erdig, und ein bisschen
säuerlich vielleicht.

Das duftet wie Ende August, denke ich jetzt, wenn ich in meine Küche gehe.
Ich habe ich mir heute frische Bohnen gekauft und einen Eintopf gemacht.
Mit Kartoffeln, Möhren, Rauchendchen. Eine Köstlichkeit, mit glatter Petersilie veredelt.
Beim Essen war ich dann wieder für einen Moment im Hof der Kindheit. Ein leuchtender Moment.
© Sargantanasal