Im Vorübergehen

Im Vorübergehen
zupfe ich Blätter von den Hecken
eine Handvoll, immer griffbereit
im Vorübergehen
die Sicherheit in meiner Hand
dass der Winter sich beeilt
im Vorübergehen
zupfe ich Blätter von den Hecken

© Sargantanasal

Meine Nummer 30 ist ein kleines Rondell und schließt den #frapalymo im November 2017 zum Impuls: „Was in eine Hand passt“ ab. Da passt in echt natürlich sehr viel mehr Gegenständliches hinein, von Eidechsen über Steine und Kinderhände bis zu Kastanien. Ich hatte aber dieses Mal sehr wenig Muße bzw. Zeit. In der Nacht oder nach einem harten Tag zu dichten, zu texten, das fiel mir schwer und hat mich phasenweise richtig kirre gemacht.  Die Impulse haben mich dieses Mal  aufgewühlt und viel freigesetzt, das ich nicht in so kurzer Zeit in Worte fassen konnte, die für mich Sinn machen und gut klingen. Trotzdem war es wieder ein Erlebnis mit so vielen wunderbaren Mitmacher(inne)n wie nie zuvor. Der Austausch war toll, und die Impulsfindung und Arbeit von einfach wow! Danke!!!!!

Zum Schluss hier noch meine Erinnerung an eine ganz besondere Eidechse

Für einen Atemzug hab ich dich
zappelnd, zittternd, sonnenwarm
ein kurzes Kitzeln
dann gleitest du mir durch die Finger
mir bleibt der Stein, auf dem ich dich fand
der passt genau in meine Hand

© Sargantanasal
wünscht
einen glücklichen Dezember

Spuren von Lachen

In meinem Landkartengesicht
die Flüsse im Augenland
bilden Nebenarme
Neuwasser
kaum spürbar
sichtbar nur
im großen Spiegel
winke ich ihnen entgegen
lache

© Sargantanasal

In meinem Gedicht Nr. 29 ersetze ich im Wort „entgegenwirken“ das R durch ein N. Für mich die schönste Art der Gesichtspflege. 🙂 Der impuls des #frapalymo lautete: „sichtbare spuren“.

Moment, ewig

 

Deine eingebettete Stummheit
täuscht
Unter dem Laken ruht
ein ganzes Leben
Ich lege mein Ohr an deine Brust
lausche in dich hinein
lerne deine Melodie
ich singe dich ganz sacht
an deine Anfänge
bis deine Augen einstimmen

© Sargantanasal

Mein Gedicht Nr. 20 zum #frapalymo beschreibt einen mir kostbaren Moment bei der Arbeit mit demenzkranken Menschen, die nicht mehr sprechen können. Der impuls lautete: „wenn der körper eine stummheit ist“ – mit dank an @frauhasenherz für dieses kleinod!“ Wirklich wunderbar, dieses Kleinod, da stimme ich zu.

Windchillen und so

Willy Willy
auf der Kelvin-Scala
bist du meine Nummer Eins
Willy Willy
ich lad dich ein
auf einen Cut-Off in der Calina Bar
Willy Willy
danach ein Tänzchen
in der Tornado Alley
gibt’s die coolsten Lichtsäulen
Willy Willy
bist du dann immer noch nicht
auf Behaglichkeitstemperatur
gehen wir windchillen
in meiner Superzelle
Willy Willy

© Sargantasal

Mein Gedicht Nr. 18 für den #frapalymo, und der impuls lautete: „schreibt ein wettergedicht und nehmt das wetterlexikon zu hilfe“.
Alle Wetter, eine wahre Fundgrube… 🙂

Herbstmärchen

Herbstmärchen 🙂

Ein Tropfen
der sich in ein welkes Blatt
hineingeschlichen hat

Ein Blatt
das sich an diesem Tropfen
grasgrün getrunken hat

Ein Wind
der Blatt und Tropfen
ins Licht getragen hat

Willst du sie sehen
dann lös ein Ticket
nach Regenbogenstadt

© sargantanasal

physikalisch vermutlich nicht ganz korrekt, mein #frapalymo Nr. 13 zum Impuls  für das #frapalymo gedicht am 13. november: „dichtet zu diesen zeilen: it is the story of the falling rain to turn into a leaf and fall again* von alice oswald“, inspiriert von der famosen @TurmBuchOch

 

16.22

November 1973

Einer von diesen
dumpfen Sonntagnachmittagen
im November
schon dunkel
das Dorf im Nebel
das gute Kaffeegeschirr gespült
sich verziehen
aus dem Fenster starren
da fährt kein Moped
auf der Hauptstraße
da kommt keiner vorbei
und holt dich da raus
das musst du dir ausdenken
in Schulhefte schreiben
Dass du Mathe machst
ist nicht mal gelogen
du schaust auf die Uhr
und rechnest dir aus
wieviel Zeit bleibt
bis „Salto Mortale“ beginnt
noch 43 Minuten

© sargantanasal 12.11.2017

12.11.17 Text zum  impuls für das #frapalymo gedicht am 12. novembert: „doppelimpuls teil 2: 16.22 uhr“. mal schauen, wie sich der nachmittag in euren texten spiegelt und ob oder ob nicht die andere uhrzeit anderes licht in gedichte bringt.

4:22

Der Wecker
legt mir den Tag an die Brust
wie einen hungrigen Säugling
Shhh! Shhh!
flüstere ich ihm ins Ohr. Shhh! Shhh!
Wenn du groß und stark werden willst,
halt noch zwei Stunden durch!

Da fließen noch Träume
durch meine Adern
die dürfen wir nicht wecken

die brauchen wir noch
für später
Shhh! Shhh!

© sargantanasal

Mein Gedicht No. 11 für den #frapalymo von @fraupaulchen,  der impuls lautete: „Doppelimpuls teil 1: 4.22 Uhr“

 

WIR

Wir haben das WIR zerschnipselt
ganz ohne Schere
Zettel für Zettel
ausgebreitet
auf dem Tisch
wir haben
gesprochen
gegessen
getrunken
die Schnipsel gemischt
zusammengefügt
gelacht
von Tisch gefegt
noch mehr gelacht
wir haben gesungen

Scheiß auf die Schnipsel
Wir können sie zusammenlegen
wie wir wollen
die Summe ist immer
LIEBE

© sargantanasal

 

Meinen Freundinnen gewidmet. Nichts anderes war mir möglich zum #frapalymo 9. Impuls: „zerschneidet und setzt neu zusammen – aus drei eigenen texten wird ein neuer“.

Substantive, die

Geschichten, die
von Müttern und Vätern
von Frohsinn und Lebendigkeit
von Trübsal und Sehnsucht
von Hoffnung und Erfüllung
vom Wissen und Entscheiden
vom Fühlen und Lieben
von Geburt und Tod
vom Wandel
von Freiheit
und von dem ganzen Dazwischen
wollen geschrieben
Werden?

@ sargantanasal

Impuls Nr. 4 am 4. November und Teil 2 vom Doppelimpuls „Verben“ und (heute) „Substantive“

 

Was dahinter stecken könnte

finden fühlen funkeln freien
testen tasten tanzen taumeln
zaudern zerren zanken zeugen
gebären gedeihen gedulden gestalten
stammeln schämen schweigen sterben
verlieren verwalten verlaufen verzweifeln
besinnen berappeln bewegen befreien

 

© sargantanasal
3. November 2017

Gedicht Nr. 3 zum #frapalymo zum „doppelimpuls, teil 1: verben“. Morgen folgt Teil 2 „substantive“