Kleines Nebelgedicht

Der Nebel hat die Stadt versteckt
sie ist mucksmäuschenstill
der Nebel hat sie zugedeckt
die Stadt war ihm zu aufgeweckt
sie schweigt, weil er es will

Sie schweigt bis morgen früh um acht
dann dreht sie wieder auf
und tanzt und lacht und singt und johlt
und wenn sie nicht der Nebel holt
hol ich sie zu mir rauf

© Sargantanasal

* mein Gedicht Nr. 26 zum und  #frapalymo-impuls no 26: „medientransfer: straßengeräusche (link!) – schreibt ein gedicht zu den geräuschen der stadt“

Nach dem Gewitter

Irgendwo knallt es
es knallt ja immer irgendwo
nachts in der Stadt
und einer pfeift
unten auf dem Kopfsteinpflaster
Gelächter
als hätte das Gewitter
nur die Blüten zerdrückt
der Himmel dunkelblau
um Mitternacht
ein gefährlicher Mond gerade
sagt einer
der Mond ist doch immer gleich
sagt ein anderer
und dann knallt es wieder
irgendwo knallt es ja immer
nachts in der Stadt

2015 © sargantanasal.com

Wir sitzen auf dem Dach

Zwischen Antennen und Luken
atmen wir
Benzin und Staub
Flieder und Sauerkraut
Taubendreck und Bier
lauschen wir
dem Tuten der Schiffe
den Sirenen der Krankenwagen
dem Rattern der S-Bahnen
knipsen wir
die Sonne an
hinter den Kränen
am Tor zur Welt
sitzen wir
auf dem Dach
und regieren die Stadt
am frühen Morgen

© 2015 sargantanasal.com

#frapalymo
Der Impuls von @FrauPaulchen für das gedicht am 2. mai lautet „schreibt ein gedicht über die stadt“