Autor: Sargantanasal
Altrosa
Über die Jahre verblichen
wie sie selbst
doch er fand sie
in ihrem Korsett
– dieses Altrosa
mit leichtem Stich ins Beige
wie die Hausmacher Leberwurst
vom Dorfschlachter –
immer noch
appetitanregend
© Sargantanasal
Gedicht Nr. 24 zum #frapalymo Doppelimpuls Teil 1 „ROSA“
Heute, im Schlafladen
Eine Nacht bitte
von den traumlosen
dunkelblauen
den feinen
ohne
Gedankensplitter
am Stück
nicht geschnitten
Danke
© Sargantanasal
Meine Nummer 23 zum #frapalymo im November 2017. Impuls: „zwei nachtstücke zusammenfügen – gedichte zu diesen worten nach einem tweet von @_unruhe
Singen hinter den sieben Bergen
In den überheizten Räumen hinter den sieben Bergen
stimmen sie jetzt Weihnachtslieder an
nur einer singt „In Hamburg sagt man tschüss“
über den Rand hinaus
Stimmen sie jetzt Weihnachtslieder an
Die Erinnerungen wabern
über den Rand hinaus
Still und starr ruht der See
Die Erinnerungen wabern
wenige halten noch die Stimme
still und starr ruht der See
träumt von knirschenden Gleitschuhen
Wenige halten noch die Stimme
nur einer singt „In Hamburg sagt man tschüss“
träumt von knirschenden Gleitschuhen
in den überheizten Räumen hinter den sieben Bergen
© Sargantanasal
Mein Pantun zum #frapalymo Impuls Nr. 20 „schreibt ein Pantun“. Das Thema war frei zu wählen. Mir kamen dabei Szenen aus einem Seniorenheim in den Sinn.
Moment, ewig
Deine eingebettete Stummheit
täuscht
Unter dem Laken ruht
ein ganzes Leben
Ich lege mein Ohr an deine Brust
lausche in dich hinein
lerne deine Melodie
ich singe dich ganz sacht
an deine Anfänge
bis deine Augen einstimmen
© Sargantanasal
Mein Gedicht Nr. 20 zum #frapalymo beschreibt einen mir kostbaren Moment bei der Arbeit mit demenzkranken Menschen, die nicht mehr sprechen können. Der impuls lautete: „wenn der körper eine stummheit ist“ – mit dank an @frauhasenherz für dieses kleinod!“ Wirklich wunderbar, dieses Kleinod, da stimme ich zu.
wonnemorgen
lüfte locken
wasser lacht
nasenflügel beben
knallvergnügt
im leben baden
tiefer knicks
die morgenwonne von joachim ringelnatz durch den Automaten gejagt
das ist mein Gedicht für den 19. November zum #frapalymo Impuls am 19. november: „schreibt mithilfe des automatengedichtautomaten ein automatengedicht“
Windchillen und so
Willy Willy
auf der Kelvin-Scala
bist du meine Nummer Eins
Willy Willy
ich lad dich ein
auf einen Cut-Off in der Calina Bar
Willy Willy
danach ein Tänzchen
in der Tornado Alley
gibt’s die coolsten Lichtsäulen
Willy Willy
bist du dann immer noch nicht
auf Behaglichkeitstemperatur
gehen wir windchillen
in meiner Superzelle
Willy Willy
© Sargantasal
Mein Gedicht Nr. 18 für den #frapalymo, und der impuls lautete: „schreibt ein wettergedicht und nehmt das wetterlexikon zu hilfe“.
Alle Wetter, eine wahre Fundgrube… 🙂
Tassen
Aus der weißen trinkt man Tee
aus der braunen gibt’s Kaffee
aus dem Tässchen trinkt die Puppe
die aus Ton ist für die Suppe
die aus Glas füllt sich mit Saft
dann ist dieser Vers geschafft!
© Sargantanasal
Meine Nummer 17 für den #frapalymo, und der impuls lautete: „hommage an die tasse“. setzen wir unseren alltagsgegenständen ein denkmal!
Kindheitstrauma
Das erste Mal
in den großen Ferien
in Oberbayern
am Ende einer Wanderung
ein Kreuz am Wegesrand
ich war fünf
und dachte
der Mensch ist echt
wie er da hing
an dem Kreuz
der ganze Körper
von rostigen Nägeln durchbohrt
aus den Löchern sickerte Blut
dick wie Sirup
der Kopf von einem gewaltigen
Dornenkranz niedergedrückt
dieser gequälte Blick
aus leeren Augenhöhlen
aufs Äußerte gepeinigt
hat mich dieses erste Marterl
an Marterln
laufe ich* vorbei
mit geschlossenen Augen
bis heute
sind sie für mich das nackte Grauen
* in einer evangelischen Region Ostwestfalens aufgewachsen
© Sargantanasal
Meine Gedanken zum Impuls no. 16 von frau paulchen für den #frapalymo: „schreibt ein gedicht zum thema wegkreuz oder bildstock“.
„Kinderscenen“
Wie das klingt
wenn der Dichter spricht
bleibt vorerst ein Geheimnis
die Leichten Stücke
sind viel zu schwer
Das Kind knipst die Klavierlampe aus
macht sich seinen eigenen Reim
schreibt
© Sargantanasal
Meine Gedanken für das #frapalymo gedicht am 15. november lautet: „medientransfer musik: schreibt ein gedicht zu diesem stück“. Es geht um „Wenn der Dichter spricht“ aus den „Kinderscenen“ von Robert Schumann.
Im matten Licht des halben Mondes
unter den Schritten das Laub
dumpf und klebrig
mir fehlt
das klirrende Glitzern des Schnees
Im ersten Licht des Tages
an den Fenstern
die Regentropfen
grob klopfend
mir fehlt
das stille Glitzern
der Eisblumen
Im grellen Licht der Kaufhäuser
auf den Weihnachtskalendern
Sterne auf Einhörnern
kühl glänzend
mir fehlt
das warme Glitzern
von Sternenstaub
Bleibt
mit geschlossenen Augen
mir ein Glitzern zu reiben von tausenden Sternen
wie in den eisigen Novembernächten
als ich ein Kind war
© Sargantanasal
Gedicht Nr. 25 den #frapalymo, und der impuls lautete: „doppelimpuls, teil 2: glitzer“.