Kindheitstrauma

Das erste Mal
in den großen Ferien
in Oberbayern
am Ende einer Wanderung
ein Kreuz am Wegesrand
ich war fünf
und dachte
der Mensch ist echt
wie er da hing
an dem Kreuz
der ganze Körper
von rostigen Nägeln durchbohrt
aus den Löchern sickerte Blut
dick wie Sirup
der Kopf von einem gewaltigen
Dornenkranz niedergedrückt
dieser gequälte Blick
aus leeren Augenhöhlen
aufs Äußerte gepeinigt
hat mich dieses erste Marterl
an Marterln
laufe ich* vorbei
mit geschlossenen Augen 
bis heute
sind sie für mich das nackte Grauen

* in einer evangelischen Region Ostwestfalens aufgewachsen

© Sargantanasal

Meine Gedanken zum Impuls no. 16 von frau paulchen für den #frapalymo: „schreibt ein gedicht zum thema wegkreuz oder bildstock“.

Autor: Sargantanasal

schreibt im Schatten einer großen Linde

3 Kommentare zu „Kindheitstrauma“

  1. „Marterl“ – hört sich gar nicht so schlimm an. … so nach „tut doch nur ein bisschen weh.“

    Davon abgesehen, hätte mich – In Brandenburg aufgewachsen – das Plastische bestimmt auch sehr verstört. Aus heutiger Sicht kann ich nur darauf hinweisen, was diese Horrorshow über die Katholische Kirche aussagt.

    Gefällt 1 Person

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