Singen hinter den sieben Bergen

In den überheizten Räumen hinter den sieben Bergen
stimmen sie jetzt Weihnachtslieder an
nur einer singt „In Hamburg sagt man tschüss“
über den Rand hinaus

Stimmen sie jetzt Weihnachtslieder an
Die Erinnerungen wabern
über den Rand hinaus
Still und starr ruht der See

Die Erinnerungen wabern
wenige halten noch die Stimme
still und starr ruht der See
träumt von knirschenden Gleitschuhen

Wenige halten noch die Stimme
nur einer singt „In Hamburg sagt man tschüss“
träumt von knirschenden Gleitschuhen
in den überheizten Räumen hinter den sieben Bergen

© Sargantanasal

Mein Pantun zum #frapalymo Impuls Nr. 20 „schreibt ein Pantun“. Das Thema war frei zu wählen. Mir kamen dabei Szenen aus einem Seniorenheim in den Sinn.

Moment, ewig

 

Deine eingebettete Stummheit
täuscht
Unter dem Laken ruht
ein ganzes Leben
Ich lege mein Ohr an deine Brust
lausche in dich hinein
lerne deine Melodie
ich singe dich ganz sacht
an deine Anfänge
bis deine Augen einstimmen

© Sargantanasal

Mein Gedicht Nr. 20 zum #frapalymo beschreibt einen mir kostbaren Moment bei der Arbeit mit demenzkranken Menschen, die nicht mehr sprechen können. Der impuls lautete: „wenn der körper eine stummheit ist“ – mit dank an @frauhasenherz für dieses kleinod!“ Wirklich wunderbar, dieses Kleinod, da stimme ich zu.

wonnemorgen

lüfte locken
wasser lacht
nasenflügel beben
knallvergnügt
im leben baden
tiefer knicks

die morgenwonne von joachim ringelnatz durch den Automaten gejagt

das ist mein Gedicht für den 19. November zum  #frapalymo Impuls am 19. november: „schreibt mithilfe des automatengedichtautomaten ein automatengedicht“

Windchillen und so

Willy Willy
auf der Kelvin-Scala
bist du meine Nummer Eins
Willy Willy
ich lad dich ein
auf einen Cut-Off in der Calina Bar
Willy Willy
danach ein Tänzchen
in der Tornado Alley
gibt’s die coolsten Lichtsäulen
Willy Willy
bist du dann immer noch nicht
auf Behaglichkeitstemperatur
gehen wir windchillen
in meiner Superzelle
Willy Willy

© Sargantasal

Mein Gedicht Nr. 18 für den #frapalymo, und der impuls lautete: „schreibt ein wettergedicht und nehmt das wetterlexikon zu hilfe“.
Alle Wetter, eine wahre Fundgrube… 🙂

Tassen

Aus der weißen trinkt man Tee
aus der braunen gibt’s Kaffee
aus dem Tässchen trinkt die Puppe
die aus Ton ist für die Suppe
die aus Glas füllt sich mit Saft
dann ist dieser Vers geschafft!

© Sargantanasal

Meine Nummer 17 für den #frapalymo, und der impuls lautete: „hommage an die tasse“. setzen wir unseren alltagsgegenständen ein denkmal!

Kindheitstrauma

Das erste Mal
in den großen Ferien
in Oberbayern
am Ende einer Wanderung
ein Kreuz am Wegesrand
ich war fünf
und dachte
der Mensch ist echt
wie er da hing
an dem Kreuz
der ganze Körper
von rostigen Nägeln durchbohrt
aus den Löchern sickerte Blut
dick wie Sirup
der Kopf von einem gewaltigen
Dornenkranz niedergedrückt
dieser gequälte Blick
aus leeren Augenhöhlen
aufs Äußerte gepeinigt
hat mich dieses erste Marterl
an Marterln
laufe ich* vorbei
mit geschlossenen Augen 
bis heute
sind sie für mich das nackte Grauen

* in einer evangelischen Region Ostwestfalens aufgewachsen

© Sargantanasal

Meine Gedanken zum Impuls no. 16 von frau paulchen für den #frapalymo: „schreibt ein gedicht zum thema wegkreuz oder bildstock“.

„Kinderscenen“

Wie das klingt
wenn der Dichter spricht
bleibt vorerst ein Geheimnis
die Leichten Stücke
sind viel zu schwer
Das Kind knipst die Klavierlampe aus
macht sich seinen eigenen Reim
schreibt

 

© Sargantanasal

Meine Gedanken für das #frapalymo gedicht am 15. november lautet: „medientransfer musik: schreibt ein gedicht zu diesem stück“. Es geht um „Wenn der Dichter spricht“ aus den „Kinderscenen“ von Robert Schumann.

Herbstmärchen

Herbstmärchen 🙂

Ein Tropfen
der sich in ein welkes Blatt
hineingeschlichen hat

Ein Blatt
das sich an diesem Tropfen
grasgrün getrunken hat

Ein Wind
der Blatt und Tropfen
ins Licht getragen hat

Willst du sie sehen
dann lös ein Ticket
nach Regenbogenstadt

© sargantanasal

physikalisch vermutlich nicht ganz korrekt, mein #frapalymo Nr. 13 zum Impuls  für das #frapalymo gedicht am 13. november: „dichtet zu diesen zeilen: it is the story of the falling rain to turn into a leaf and fall again* von alice oswald“, inspiriert von der famosen @TurmBuchOch

 

16.22

November 1973

Einer von diesen
dumpfen Sonntagnachmittagen
im November
schon dunkel
das Dorf im Nebel
das gute Kaffeegeschirr gespült
sich verziehen
aus dem Fenster starren
da fährt kein Moped
auf der Hauptstraße
da kommt keiner vorbei
und holt dich da raus
das musst du dir ausdenken
in Schulhefte schreiben
Dass du Mathe machst
ist nicht mal gelogen
du schaust auf die Uhr
und rechnest dir aus
wieviel Zeit bleibt
bis „Salto Mortale“ beginnt
noch 43 Minuten

© sargantanasal 12.11.2017

12.11.17 Text zum  impuls für das #frapalymo gedicht am 12. novembert: „doppelimpuls teil 2: 16.22 uhr“. mal schauen, wie sich der nachmittag in euren texten spiegelt und ob oder ob nicht die andere uhrzeit anderes licht in gedichte bringt.