Heimlichkeiten

Im letzten Winkel des Kleiderschranks
unter den Fußballsocken
spielen angeschlagene Schokotaler Mühle
Die Zigarette spielt Lesezeichen im Gesangbuch
Der Flachmann spielt Verstecken
mit dem Piece
Im letzten Winkel des Kleiderschranks
haben die Dinge Spaß
während
auf der anderen Seite der Wand
unter Schießer Feinripp
die Schmuddelhefte
um die Wette gähnen

© Sargantanasal

inspiriert vom #frapalymo Impuls 3

Das Puzzle mischen

Huschende Ratte
Vollgefressene Motte
Einbeiniges Männlein
Blankpoliertes Stethoskop
Zersplitterte Uhr
Abgebrochener Zahn
Leckgeschlagenes Schiff
Umgekipptes Metronom
Zerbeulte Nikolausmaske
Schlafendes Pferd
Blutendes Herz
Abgebranntes Haus
Offener Leichenwagen
Gespreizte Spinnenfinger
Gepiercte Zungenspitze
Nur die kahlen Augen
aussortieren
die erkenne ich wieder

© Sargantanasal

#frapalymo 2. November 2016, Doppelimpuls (1): Unheimlich

Weit weg, so nah

Warum ist alles so weit weg?
Gestern vor 20 Jahren
war heute so weit weg
warum lebt man so lange
frage ich mich jetzt
einfach wegfliegen
das ist mein Traum
dann wäre die Welt weit weg
Fensterplatz
wie damals
da flog ich einmal nachts
da war der Mond gar nicht mehr weit weg
der Mond flog mit
direkt neben mir
mit mir
zum Totlachen nah
und es stimmt, was sie sagen
der Mond hat wirklich
ein richtiges Gesicht

(Zeile 1 aus „Findet mich das Glück?“, Peter Fischli, David Weiss, Verlag der Buchhandlung Walther König)
Gedicht 1 zum #frapalymo November 2016. Impuls: die ersten wörter sind eure ersten wörter“. wählt aus einem buch eurer wahl (lyrik ebenso wie prosa) die erste seite und nutzt exakt dieselben ersten wörter als einstieg in euer gedicht

Ich habe gestern mit geschlossenen Augen obiges Büchlein aus dem Regal gefischt. Der erste Satz „Warum ist alles so weit weg?“ überraschte mich nicht,  ich glaube nicht an Zufälle. Diese Frage habe ich erst gestern gehört. Frau H. hat sie gestellt und sich dann Gedanken zum Fliegen und zum Mond gemacht. Frau H. ist eine demente Dame, 88 Jahre,  die ich seit Juli betreue und aktiviere, mit der ich viel Biografiearbeit mache. Meistens notiere ich ihre Gedanken ungefiltert, so wie sie kommen. Auch gestern. Mit ihrer Erlaubnis entstand nun dieses erste kleine Gedicht. Wenn es passt, möchte ich gern weitere Impulse dazu nutzen, die Gedanken von Frau H. zu verdichten. Sie sind so wundervoll und sagen so viel.
Die anderen Gedichte könnte ihr nachlesen unter:
http://paulchenbloggt.de/2016/11/01/frapalymo-1nov16-anfang/

Noch eine gute Woche…

… dann startet wieder

Frau Paulchens Lyrikmonat, kurz #frapalymo

Ich freue mich schon, auch wenn mich meine Tätigkeiten gerade sehr herausfordern, besonders zeitlich. Vielleicht hat ja die/der eine oder andere von euch Lust, sich mal lyrisch auszuprobieren. Die Impulse von Frau Paulchen sind immer klasse!

Hier ist der Link:

http://paulchenbloggt.de/2016/10/17/frapalymo-nach-der-zehn-die-elf/

 

 

Meisterzahl

Sie schwingt silbern
zwischen dir und mir
zwischen uns und der Welt
schwingt sie frei
die höchste Oktave
nur wahrnehmbar
im Wachtraum
wenn die Herzfrequenz zittert
kurz vor Sonnenaufgang
dann webst du sie um uns
wieder und wieder
ein Klangnetz
aus elf Millionen Silberfäden

© sargantanasal.com

Das letzte Gedicht zum  #frapalymo.  Der Impuls für den 31. Mai lautet: „elf“ mit großem Dank an paulchenbloggt.de für einen weiteren inspirierenden Monat.

 

Jahrgangssardine

In einer Nacht im September
im atlantischen Ozean
gelangte sie vor der Bretagne
ins Schleppnetz und auf einen Kahn

Ihre schillernden Schuppen verblassten
auf dem holprigen Weg zur Fabrik
nicht ahnend, dass sie auserwählt war
zur Jahrgangssardine, welch’ Glück!

So reift sie nun locker geschichtet
in der Dose auf öligem Grund
bald gilt sie als Delikatesse
und schillert in Feinschmeckers Mund

 

© sargantanasal

Mal wieder gereimt: Mein Gedicht zum #frapalymo vom 26Mai16, nicht ganz impulsgetreu: „Makroaufnahme: In der Sardinenbüchse“

Nur du!

Sie reden für dich
schneiden dich ab
von der Kommunikation
weil dieses eine Areal
in deinem Gehirn
abgeschnitten ist
von der Blutversorgung
schneiden sie dich ab
vom Erleben

Vielleicht
wenn du lachst
lachst du sie aus
weil nur du weißt
wie schön es kribbelt
wenn es in dir wimmelt
von Schnipseln
eigenständig
wundervoll
bunt
tonnenweise
Konfetti

© sargantanasal

nachgereichte Gedanken zum #frapalymo Impuls vom 24Mai16: „Abgeschnitten“

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