In meiner Erinnerung leuchtete heute ein August-Moment aus der Kindheit.
Wenn der Sommer heiß war, und in meiner Erinnerung war jeder Kindheitssommer heiß, pfiff Opa schon Ende August zur Bohnenernte. Eine ernste Sache, denn Bohnen kann man beim Pflücken nicht naschen wie Erdbeeren. Bohnen sind Hülsenfrüchte, höre ich meine Großmutter sagen. Die darf man auf keinen Fall roh essen!
Ich sehe mich mit meinem Opa im kleinen Hof auf der Gartenbank hocken, einträchtig pinnen wir die grünen Bohnen, die wir zuvor gemeinsam geerntet haben. Bohne für Bohne bedächtig von Strünken befreien, nur nicht zu viel abschneiden, die weiße Emaille-Schüssel mit dem abgewetzten Rand zwischen den Knien, wir arbeiten schweigend und oben in der Küche setzen die Frauen mit Geschepper den riesigen hellroten Kessel auf den Herd. Ich höre ihre Geplapper, das Klirren der Weckgläser, die sie spülen, ich nehme den Geruch der roten Weckringe wahr (wahrscheinlich fehlen wieder genau die, die wir Kinder uns für unsere Rollschuhe stibitzt haben).
Opa und ich arbeiten gemächlich und still am eisernen Gartentisch, den er selbst geschmiedet hat. Er benutzt das scharfe Schälmesser, ich das stumpfe mit dem Perlmuttgriff. Manchmal schauen wir uns an, seine blanken braunen Augen blitzen, ich sehe seinen Stolz und seine Vorfreude auf seinen geliebten Bohnensalat im Winter, zu Gulasch oder Sauerbraten. Ich freue mich auf den Eintopf, mit Kartoffeln, und Möhren, die den Winter über in einem Tontopf, den Opa vor der Garage eingegegraben hat, frisch bleiben. Irgendwann bringt Oma dann einen Kaffee für Opa hinaus und für mich ein Butterbrot mit Rübenkraut.
Dann arbeiten wir weiter, bis meine kleinen Finger ganz müde sind.
Und abends dann ist das ganze Haus vom Duft der eingeweckten Bohnen erfüllt.
Ein Duft, den ich nicht zu beschreiben vermag. Irgendwie erdig, und ein bisschen
säuerlich vielleicht.
Das duftet wie Ende August, denke ich jetzt, wenn ich in meine Küche gehe.
Ich habe ich mir heute frische Bohnen gekauft und einen Eintopf gemacht.
Mit Kartoffeln, Möhren, Rauchendchen. Eine Köstlichkeit, mit glatter Petersilie veredelt.
Beim Essen war ich dann wieder für einen Moment im Hof der Kindheit. Ein leuchtender Moment.
© Sargantanasal
„… wenn ich in meine Küche gehe…“ schreibst du und rettest damit mein Pflaumenmus im letzten Moment. Danke!
Aber nun zu den Bohnen:
Wie viele Erinnerungen weckst du mit deinem schönen Text! An Marmelade, an rasante Rollschuhfahrten auf Metallrädern, und an Bohnenessen. Kennst du eigentlich dieses norddeutsche Bohnengericht „Birnen, Bohnen und Speck“? Ganz köstlich aus diesen kleinen, harten, grünen Birnen, die mit den Bohnen, geräuchertem Bauchspeck und Kartoffeln gekocht werden, mit gaaanz viel Bohnenkraut natürlich.
Wie gut es tut, endlich wieder ein bisschen Zeit zum Lesen und Blogbesuchen zu haben und solche Schönheiten zu entdecken.
Ule
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Pflaumenmus!!! Da steigt mir sogleich der Duft in die Nase. Meine Oma war die beste Pflaumenmuseinkocherin der Welt. Im September duftete das Haus abwechselnd nach Bohnen und Pflaumenmus. Birnen, Bohnen und Speck kenne ich auch, ich finde es hier im Norden nur selten auf der Speisekarte und selbst gemacht habe ich es noch nie. Schön, dass du jetzt wieder Zeit hast für Besuche. Lieber Gruß
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Hallo.
Das kenne ich alles auch. Auf dem Hof von dem meine Mutter stammte, gab es einen großen Bauerngarten.
Und Weckringe für Rollschuhe kenne ich auch. Ich bin noch mit denen mit Metallrädern gefahren; ein höllisches Gerattere. 😉
Liebe Grüße,
Frank
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Höllisch für die anderen, herrlich für uns, oder?
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Grins. Die Rollschuhe mit den Metallrädern waren schneller, als die erste Generation mit Gummirädern. 😉
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Oh, ich kenne den Bohnenduft auch, von meiner Großmutter. Wie herzerwärmend du das beschrieben hast! Und das Beste daran: In meinem Kühlschrank liegen Bohnen. Die gibts heute Abend. Unbedingt. 🙂
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Sie waren bestimmt köstlich!
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In der Tat! Es gab Bohnensalat, auch das ist von deinem Beitrag hängengeblieben. Ich liebe Bohnensalat. 🙂
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Ich auch. Kriege ihn leider nicht so gut hin wie meine Mutter.
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Da sagst du was. Ich kriege die Marmelade nicht so hin wie meine Mutter, und das ist ein schlimmer Verlust. Keine andere Marmelade hat je so intensiv geschmeckt wie die meiner Mutter. 😦
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❤
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Ich habe ähnliche Erinnerungen und die hast du gerade wundervoll erweckt !
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Wunderschön beschrieben. Ich sehe fast den lichtdurchfluteten Frieden, der heiter über allem liegt, die Zufriedenheit. Heute nennt man das wohl Flow.
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Yo!
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Wertvolle Erinnerungen. Deine Worte lassen das fühlen und schöne Bilder entstehen.
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Mein Sohn meinte einmal, wir hätten eine Bohnenplage im Garten.
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🙂
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